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Tagessymposium: Kein schöner Land?

24. Januar 2018

Pk. Odessa Co
Pk. Odessa Co

Tagessymposium des BDA Bayern in Kooperation mit BDA Kreisverband Regensburg-Niederbayern-Oberpfalz und der Bundesstiftung Baukultur:
Kein schöner Land?

Warum wir nicht schaffen, was wir wissen, oder:
sind Stadt und Landschaft noch planbar?
13. April 2018, 9:30–17:00 Uhr
Ort: Salzstadl Landshut, Steckengasse 308, 84028 Landshut

Anmeldung erforderlich!

Wir stellen fest, dass es eine deutliche Diskrepanz zwischen dem Wissen um das situativ angemessene, zielorientierte Handeln und dem tatsächlichen Handeln sowohl gesellschaftlicher und politischer Akteure als auch einzelner Individuen gibt. Im Englischen spricht man auch von der „knowing-doing-gap“, die es zu überwinden gilt um vom Wissen zum Handeln zu gelangen.

Wir wissen um die Grenzen unserer Ökosysteme, Sozial- und Finanzstrukturen. Wir formulieren und beschließen vorsichtige Ziele, um uns diesen Grenzen langsamer zu nähern – und scheitern bei der Umsetzung dieser Ziele.

Sloterdijk: Die Menschheit sitzt auf einem Berg an Lösungen, doch es fehlt noch an hinreichend motivierten Anwendern, die den Berg abtragen, indem sie die Intelligenzreserven in die tägliche Praxis überführen. Es ist nicht die Moral, die uns behindert, und es ist nicht die Unlösbarkeit der Aufgaben, die uns das Leben schwermacht, es ist eher so etwas wie ein anthropologischer Block, der die Prozesse so am Boden hält.“ (SZ 20.12.2009)

Ein Beispiel ist das 2002 für 2020 beschlossene, und 2016 auf 2030 verschobene Ziel, den bundesweiten Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrzwecke auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen. Auch das Ringen um das Landesentwicklungsprogramm in Bayern zeigt exemplarisch diese Diskrepanz.

Während auf politischer Ebene rein quantitativ über das Thema der Inanspruchnahme von Flächen diskutiert wird, müssen qualifizierte Akteure sich vor allem auch mit der Frage der Qualitäten der schon entstandenen und weiter entstehenden Räume in Städten, Dörfern und KulturStadtLandschaften auseinandersetzen. Gebaute Realität und idealisierte Bildlandschaften in den Köpfen bewegen sich zusehends auseinander. Die wachsenden Vororte erfüllen den Wunsch nach einem urbanen Lebensumfeld so wenig wie die industrialisierte Landwirtschaft die Urlaubsidylle mit Kühen auf der Almwiese.

Für wen taugt die Zwischenstadt, die StadtLandschaft als Lebens-, Aufenthalts- und Kulturraum, welche Qualitäten lassen sich finden und entwickeln?

Es fehlt ein Überblick über den Ist-Zustand und die Diskussion der Kriterien für steuernde Eingriffe und deren Ziele auf der Ebene der Betroffenen und der zugrunde liegenden gesellschaftlichen Werte. Nicht nur Grenzen des möglichen Flächenwachstums unserer Städte und KulturStadtLandschaften gilt es zu berücksichtigen, auch Transformationsprozesse unserer Sozial- und Wirtschaftsstrukturen und letztlich die Frage nach einer lebenswerten, bewusst gestalteten Umwelt.

Die kleinteilige Berücksichtigung von Partikularinteressen führt nicht zu einer Lösung der umfassenden Fragestellungen. Nicht der kleinste gemeinsame Nenner, sondern gemeinsam gefundene Visionen, die es wert sind, sich kooperativ und koordiniert auf den Weg zu machen sind nötig. Dabei sind es sind nicht nur die Ziele der übergeordneten Raumplanung, die es auf breiter Ebene zu diskutieren gilt, sondern auch mögliche Wege zu deren Umsetzung und Beispiele dafür, wie und mit welchem Erfolg unsere Nachbarn übergeordnete Raumplanung verfolgen.

Eine zunehmend selbstbewusste Bürgerschaft will in einem solchen Prozess nicht nur gehört, sondern als teilnehmender Akteur bei der Umsetzung, als Nutzer und Kritiker qualifiziert beteiligt werden.

Programm

Begrüßung & Auftakt

09:30 Begrüßung
Prof. Lydia Haack, BDA Landesvorsitzende
Jakob Oberpriller, BDA Kreisvorsitzender Regenburg-Niederbayern-Oberpfalz

09:45 Grußworte

10:00 Impulsvortrag & Thematische Einführung
Michael Leidl, Mitglied im Landesvorstand des BDA Bayern, Referat Raum- und Flächenplanung, Städtebau, Infrastruktur, Ländlicher Raum
Zur Fragestellung des Symposiums

Teil 1: Bestandsaufnahme: Aktuelle gebaute Umwelt als Ergebnis von Nutzungsprozessen und –anforderungen
Die heute existierenden realen Kulturstadtlandschaften sind Produkte unserer mobilen, pluralistischen, marktwirtschaftlichen, digitalen, individualisierten, industrialisierten Gesellschaft. Die Ideallandschaften in den Köpfen und Herzen können als Gegenreaktion oder Kompensation auf diese realen Landschaftsprozesse verstanden werden und haben emotionale, touristische, erinnerungskulturelle, normativ-ästhetische und -ökologische etc. Antriebe.
Wir suchen nach Akteuren, Kräften und Themenfeldern, die bei der aktuellen Entstehung von gebauter, gestalteter oder genutzter also auch erlebter Umwelt eine Rolle spielen und fragen uns, ob und inwieweit die bisher verfolgten Ziele im Bereich der Raum- und Flächenplanung noch zeitgemäß sind.

10:15 Bilderreise zur Ist-Situation der gebauten Umwelt in Bayern aus der Vogelperspektive
Referent: Klaus Leidorf, Luftbildarchäologe
Ein- und Übersichten aus dem Bayerischen Luftraum

10:45 Kenntnisstand und Datenbasis zum Thema Flächennutzung
Woher stammt unser Wissen zur Flächennutzung, wie verlässlich sind die Zahlen, und wie hat sich die Inanspruchnahme von Flächen seit dem Beschluss zum Nachhaltigkeitskonzept 2002 verändert?
Perspektiven zur Versachlichung der Diskussion.
Referent: N. N.

11:15 Flug über Landshut
Der Künstler und Reiseführer Boris Sieverts erkundet seit über 20 Jahren europäische Städte und Ballungsräume auf der Suche nach zeitgenössischer Stadtlandschaft. Dabei dient ihm auch Google Earth als wichtiges Werkzeug der Annäherung, Befragung und Bildfindung. Gemeinsam mit einem lokalen Experten begibt er sich auf einen virtuellen Helikopterflug über Landshut und Umgebung. Aus Flughöhe, Flugrichtung und Geschwindigkeit, Projektion, Spekulation, Ahnung, Frage und Antwort entsteht ein „Betrachtungsraum“, der sich mit dem realen Raum der Gastgeberstadt überlagert.
Referent: Boris Sieverts, Künstler und Reiseführer

12:15-13:15 Mittagspause mit Imbiss

Teil 2: Knowing-Doing-Gap: Psychologie / Soziologie von Entscheidungen
Wir handeln nicht aus dem rationalen Denken heraus, sondern aus Gefühl, Emotion, Motivation. Wie erzeugen wir positive Handlungsimpulse für die angestrebten Aktionen? Welche psychologischen oder sozialen Mechanismen verhindern die Umsetzung bereits gefundener Lösungen oder das zielgerichtet, lösungsorientierte Handeln auf politischer, also gesellschaftlicher Ebene und in unserem individuellen Leben?
Welche Hindernisse auf dem Weg zu einer lösungsorientierten Handlung sind zu überwinden, und wie können sie überwunden werden?
Wir suchen nach Akteuren, Kräften und Themenfeldern, die bei Entscheidungsprozessen im Allgemeinen, insbesondere auch bei der aktuellen Entstehung von gebauter, gestalteter oder genutzter also auch erlebter Umwelt eine Rolle spielen.

13:15 Wie trifft unser Gehirn Entscheidungen?
Welche Vorgänge beeinflussen Entscheidungsfindung und Handlungsmotive? Wie unterscheiden sich die Entscheidungsfindung und Handlungsmotivation eines Individuums von der einer Gruppe? Welche neurologischen und psychologischen Ursachen hat die „knowing-doing-gap“?
Referent: N. N.

13:45 Wer entwirft und baut Stadtlandschaften?
Welche Akteure sind bei der Entstehung unserer gebauten Umwelt beteiligt und mit welchen Interessenlagen ist ihr Handeln hinterlegt? Wie kann eine Verständigung auf gemeinsame Ziele als Grundlage für die strategische, schrittweise Umsetzung dieser Ziele erfolgen?
Referent: Prof. Stefan Kurath, Architektur und Städtebau

14:15 – 14:45 Kaffeepause

Teil 3: Suche nach qualitativ-räumlichen Kriterien für künftige Entwicklungen und Wege zur Steuerung
Wir suchen nach Kriterien für die Qualität aktueller städtebaulicher Entwicklungen.
Welche positiven Beispiele für eine neue KulturStadtLandschaft sind bereits heute erkennbar, und welche Qualitäten zeichnen sie aus?
Welche Erfordernisse gelten auf dem Weg zum Implementierung geeigneter Strukturen zur Umsetzung gefundener Kriterien?
In welchem Rahmen kann eine Gesellschaft ihre Ziele für eine neue Raumordnung, neue Leitbilder für KulturStadtLandschaften und den Umgang mit dem Phänomen der urbanisierten Räume diskutieren und festlegen? Welche Instrumente der Information und Beteiligung bieten sich an? Welche Rolle spielen Architekten als Experten für räumliche Gestaltung und deren Kompetenzzuschreibung bei der Diskussion einer künftigen Entwicklung, und wie lässt sich ihre Rolle und damit die Wertschätzung für die Gestaltung des öffentlichen Raumes in diesem Prozess stärken?

14:45 Stadtlandschaften: Suche nach Qualitäten
Stadtlandschaften sind das Produkt zeitgenössischer Gesellschaften. Ausdruck ihrer Kultur. Stadt und Landschaft werden hier als gesamtheitliches, im gelebten Alltag verwebtes System verstanden. Als Kulturstadtlandschaft. Wie kann diese weiterentwickelt werden? Was sind ihre zukünftigen Qualitäten? Diskutiert wird hier das Potential räumlich-architektonischer Qualitäten als gesellschaftlich wertvolle Perspektive von Kulturstadtlandschaften. Qualitäten, die von Architektur, Landschaftsarchitektur und Städtebau als Akteure in die Entstehungsprozesse von Stadtlandschaften verstärkt eingebracht werden sollten.
Referent: Dr. Jörg Heiler, Architekt und Stadtplaner BDA

15:15 Strategien zum Umgang mit „Umsetzungsdefiziten“
Welche Wege führen über die knowing-doing-gap?
Wie kommen wir als Gesellschaft vom Verwalten des Ist-Zustandes zu einer zielgerichteten Umsetzung der als notwendig erkannten Maßnahmen?
Handlungsstrategien vom Wissen zum Machen.
Referent: N. N.

15:45 Podiumsdiskussion mit Referenten und Politik
Wie kann der Austausch zwischen Experten und politischen Entscheidungsträgern verbessert werden? Glaubt die Politik noch an Ihre Experten?
Welche Strategien verfolgen unsere Nachbarn im Bereich der Raumordnung und Landesplanung, und mit welchen Erfolgen und Problemen?

Teilnehmer: Reiner Nagel, Vorsitzender Bundesstiftung Baukultur
Josef Mathis, ehem. Bgm. Zwischenwasser, Regionalsprecher Vorarlberg, Initiative „vau hoch drei“ (angefragt)
Jakob Oberpriller, Architekt BDA, DASL, DWB
Dr. Markus Söder, Staatsministerium für Finanzen, Heimat und Landesentwicklung (angefragt)
Dr. Uwe Brandl, Präsident Bayerischer Gemeindetag (angefragt)

Moderation: Prof. Dr. Sören Schöbel-Rutschmann

17:00 Ende der Tagung

 

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